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Island furten

Reisebericht vom Furten furten

Sprengisandur – Askia – Herdubreid

Auf unsere Islandtour war es am 25.August 2011 so weit – wir wollten endlich die Geheimnisse des Hochlandes erkunden. Nachdem wir 2 Tage vorher den Kjölur als Übungsstrecke gefahren waren ging es an diesem Tage los. Das Frühstück fing schon mal mit verschimmelten (1 Tage altem) Toastbrot an. Mit nichts als Kaffee im Bauch starteten wir dann gegen 10 Uhr unseren Mietwagen – einen Suzuki Grand Vitara um von Blönduos los zu fahren. Bei der N1 noch einmal ganz voll getankt sollte uns der Sprit eigentlich für die Route (wenn sie normal gewesen wäre) reichen.

Den Abend zuvor wurde das Kartenmaterial studiert und das GPS startklar gemacht, damit wir uns nicht verfahren. Ein paar Furten wurden dabei eingeplant – damit sich der Mietwagen auch mal rentiert.

Also fuhren wir die 1 Richtung Varmahlid um später auf die F752 abzubiegen – dem Eingang zum Sprengisandur, wo man uns mit mehrereren Schildern Angst vor der Strecke machen wollte. Ein paar hübsche 4x4 und Furtbilder konnten uns auch nicht überzeugen nicht hinein zu fahren. Ab gings also auf die Piste, welche uns gleich mal mit 2 geschlossenen Zäunen, einem kleinen Bach und einem Aufstieg (um die 400 Höhenmeter) auf kurzer Distanz begrüßte.

An der ersten Furt (Austari-Jökulsá) wurde noch etwas länger überlegt, wie man die am besten durch kommt. Nach intensiven Betrachten der Umgebung fand die Beifahrerin dann hinter einem Stein ein paar sehr praktische, wasserdichte Schuhe. Also schickten wir Sie zur Erkundung durch die Furt und fuhren gleich mal hinterher.

Die 2. Furt (Hnjukskvisl) wurde dann schon etwas schwiegiger: sehr breit, ausgewaschener und kein klares Wasser mehr. Also hieß es wieder aussteigen und grübeln. Auch hier fanden wir hinter einem Stein ein Islandutensil: diesmal eine sehr hilfreiche Islandkarte (nicht, dass wir schon 3 hatten). Irgendwie hatte es bis dort was von Geocaching. Da umdrehen nicht geht schickten wir die Beifahrerin wieder ins Wasser. Was sich allerdings nach dem ersten Meter als sinnlos heraus stellte, da uns ein paar Deutsche mit einem Wrangler Jeep entgegen kamen und -nach kurzem checken der Furt- diese gleich durchquerten. Diese warteten freundlicherweise auf uns bis wir durch waren. Aufmunternde Worte wie "ich wollte schon immer mal filmen, wie jemand sein Auto versenkt" hielten uns auch nicht davon ab.

Die 2 Furten im Video (als Zugabe noch eine von aussen gefilmt – 3 Tage später im Süden):

Hier die Orte der ersten 2 Furten in GoogleMaps

Danach ging es heiter weiter – voller Motivation noch mehr Abenteuer zu erleben. Erst auf die F26 und ein paar Kilometer auf die F910 - Mitten in die "Missetäterwüste" (wie wir später erfahren sollten). Nachdem 1 Stunde später die Strasse eigentlich nur noch aus Holzblöcken bestand, welche ahnen ließen, wo man ungefähr lang muss und kein anderes Auto gesichtet wurde, kam langsam aber stetig eine etwas gedrückte Stimmung im Auto auf. Öfters dachte man ans umdrehen – allerdings war man ja schon sehr weit gekommen (vermuteten wir). Wer konnte wissen, dass noch ein sehr, sehr langer Weg vor uns lag. Die Steine wechselnden im regelmäßigen Abständen von ganz klein nach spitz.klein nach spitz gross und gross rund. Zum Glück hats uns nicht die Reifen zerstochen – eine Panne hätte ohne Handyempfang fatale Folgen gehabt.

Als wir in genau diesem Chaos noch ein Schweitzer Pärchen in einem Jeep trafen (das 2. Auto auf der Strecke) wurde uns klar, dass wir es vllt maximal -wenn überhaupt- bis zum Lager an der Askia schaffen würden. Zumal unser Tank zu diesem Zweitpunkt schon einen nicht mehr so vollen Eindruck machte – wir hofften allerdings an eine Zapfsäule bei der Askia.

Die ersten Ausläufer der Askia kamen immer näher und die Strasse wurde auch dementsprechend etwas besser – für ein paar Kilometer. Danach ging es lustig mit dem geholpere von Lavagestein auf und ab. Die Sonne ging lansam unter und die Strasse verwandelte sich ziemlich schnell in eine Sandwüste mit ein paar Reifenspuren drin um.

Gegen 22 Uhr kamen wir endlich an der Askia an. Auch dort trafen wir auf ne Menge deutscher Touristen, welche -freundlicherweise- uns darauf hinwießen, dass es die nächste Tankstelle in etwa 120 Kilometern gab. Nach ein bisschen "Erfahrungsaustauch" wurden wir dann als Himmelfahrtskommando im Dunkeln auf die F910 entlassen, welche als bald zur F88 wurde.

Himmelfahrtskommando deswegen:

  • Nix im Bauch

  • den ganzen Tag schon unterwegs

  • kaum noch Benzin

  • 3 schwierige Furten vor uns (welche wir im dunkeln nehmen mussten)

  • der eigentliche Tripp dauert bei "erfahrenen Fahrern" 2-3 Tage

 

Die erste Furt war noch etwas unspektakulär: Man konnte gut den Boden sehen, Lämge und Fliessgeschwindigkeit waren OK. Also ab und durch.

An der 2. (die Linda) wurde allen schon etwas mulmig. Es waren genaue Anweisungen zum Queren auf eine Tafel aufgebracht und sogar ein Seil war gespannt – das gab es bei keiner anderen Furt. Das Flussbett war schon etwas ausgewaschen durch die vielen anderen Jeeps. Aber uns kam zu Gute, dass Abends (bzw. Nachts) die Pegelstände nicht mehr so hoch sind. Schmelzwasser entsteht halt nur am Tag ;-)

Die dritte Furt war auch noch einmal ein Erlebniss (wahrscheinlich die tiefste). Aber auch die wurde gemeistert. Der letzte Teil der F88 war -im Gegensatz zum Rest- super befahrbar.

Also kamen wir als bald auf die 1, wo wir dann bei Myvatn auch endlich eine Tankstelle gefunden haben – mit dem letzten Tropfen Benzin im Tank.

Bei der Heimfahrt über Akureiri musste dann doch ein Fahrerwechsel wegen Müdigkeit stattfinden. Gegen 4 Uhr waren wir endlich zu Hause.

 

Wegstrecke: 690 km, Zeit: 18 Stunden


Tipp 1: wer wirklich auf Nummer sicher mit den Routen gehen will bentzt Google Maps. Dort findet man nur Strassen, welche man auch befahren kann (allerdings ist der allgemeine Strassenzustand abseits der 1 im Norden immer schlecht). Für Fahrer, die gerne mal was ausprobieren, sollte es OpenStreetMap sein. Am besten die Islandkarte mit Navimapper aufs PDA.

Tipp 2: Undbeidngt an der letzten Tankstelle tanken und am besten (auch, wenn man es nicht für nötig hält) einen Ersatzkaniter mitnehmen.

Tipp 3: warme Decken und -je nach Jahreszeit- ein Schlafsack sollte unbedingt ins Reisegepäck. Wir hatten extrem Glück mit Wetter und Witterung. Eigentlich dauert die Missetäterwüste 2-3 Tage (lt. Reiseführer). Mit Sandstürmen ist zu rechnen – danach findet man keine Strasse mehr.

Tipp 4: GPS mitnehmen! Wir standen öfters an Stellen, wo es entweder 2 mögliche Wege gab oder einfach das Holz umgefahren wurde. Wenn man dann das übernächste (Fahrbahnmarkierungs)Holz nicht sieht gehts wieder zurück.

Tipp 5: Verpflegeung und Wasser! Island ist weitläufig und zur nächsten Tankstelle können gern mal ein paar Stunden vergehen.